Donnerstag, Oktober 19, 2006

Fernglas oder Teleskop oder was?

Anonymous fragt in seinem Kommentar zu meiner letzten Nachricht, ob ich schon überlegt habe mir anstatt eines Fernglases ein Teleskop zu kaufen. Na klar, immerhin firmiert dieser Blog unter teleskope.blogspot.com ;-) (Naja, mir fiel damals auf die Schnelle nichts passenderes ein, siehe auch Namensänderung). Darüber habe ich natürlich auch schon nachgedacht. Es ist nur sehr schwer unter den vielen verschiedenen Varianten das richtige für mich herauszufinden - und das Richtige soll es schon sein! Erstmal sind da meine eigenen Ansprüche:

  • Ich möchte so viele Objekte wie möglich mit so vielen Details wie möglich sehen. Soweit ich es verstehe brauche ich dafür in erster Linie ein richtig großes Gerät, dass viel Licht sammelt - oder wie es wohl richtig heißt, ein Gerät mit möglichst viel Öffnung.
  • Leider verfüge ich aber nicht über unbegrenzte Körperkraft, deshalb darf das Gerät auch nicht zu groß und schwer sein, damit ich es noch gut transportieren kann.
  • Ebenso verfüge ich natürlich auch nur über ein begrenztes Budget, das Gerät soll mit allem Drum und Dran möglichst nicht mehr als 300 oder 400 Euro kosten, besser weniger ;-)

Dann sind da massenweise Informationen, die ich in den Anfänger-Foren von Astrotreff.de und Astronomie.de gefunden habe. Eigentlich sind sie dort alle ausgesprochen hilfsbereit, aber einige der Jungens neigen dann doch etwas dazu ihre jeweils eigene Meinung als die allein selig machende anzusehen. Das endet dann nicht selten in einem Streit darüber, ob Spieglteleskope nun besser oder schlechter sind als Linsenteleskope ;-) Ich habe für mich diese Anforderungen aus den Diskussionen herausdestilliert:

  • Ein gutes eigenes Fernglas brauche ich auf jeden Fall, auch wenn es später vielleicht nur noch das Zweitgerät ist. Die Antwort auf die Frage in der Überschrift ist dann wohl „auf lange Sicht beides“.
  • Statt eines schlechten oder durchschnittlichen Gerätes ist es immer besser ein erstklassiges aber dafür etwas kleineres Gerät zu kaufen.
  • Ich muss darauf achten genug Geld für eine gute Montierung und Zubehör (z.B. gute Okulare) übrig zu behalten. (Puh, zum Glück ist dann ja auch bald Weihnachten ;-)
  • Ich muss darauf achten, dass das Gerät „länger hält“. In den Diskussionen kommt es häufig vor, dass die Einsteiger schon nach ein/zwei Monaten über die nächst größere Anschaffung nachdenken, weil ihr erstes Gerät zu klein geworden ist (das geht mir mit meinem Fernglas ja gerade selbst so). Das währe unnütz verschwendetes Geld!

Kommentare:

Sebastian Lehner hat gesagt…

Hallo,
ich weiß zwar, daß jeder - wie du ja auch angesprochen hast - seine eigene Meinung zu der Sache hat, aber ich denke, daß ein 8" Newton mit 1200mm BRennweite auf einer Dobson Montierung für dich das beste wäre.
Das Gerät ist ein richtiger "Allrounder", Deep Sky tauglich, aber auch gute Leistung am Planeten, als f/6 Teleskop noch relativ anspruchslos was die Okulare angeht, und auf der Rockerbox schnell und preiswert montiert.
Das Gerät kostet knapp 300 Euro, wenn du dir dazu noch ein paar Weitwinkel Okulare von Carsten Reese leistest (32mm SWA; 15mm, 9mm und 6mm WW), dann kommen nochmal ca. 170 Euro dazu.
Immerhin hättest du dann für 470 Euro ein gutes Teleskop und ordentliche Okulare, bei den Okularen wirst du sicher irgendwann mal neue brauchen, aber das Teleskop ist durchaus eines, welches auch dem fortgeschrittenen Hobbyastronomen noch viel Freude bereitet.
Wer viel Öffnung für wenig Geld will, der landet fast zwangsweise bei den Dobsons.

Was das Fernglas angeht, da pflichte ich dir bei, als Zusatzoptik ein gutes 8x40 oder 10x50 würde ich nicht missen wollen.

Sebastian

Plejadin hat gesagt…

Hallo Sebastian, ich habe schon einmal durch einen 10" Dobsen beobachtet, den fand ich sehr sperrig. Das war aber ein älteres Selbstbau-Teleskop. Heute sind die glaube ich etwas leichter. Hast du eine Ahnung, wie schwer so normaler ein 8" Dobson etwa ist? Ach ja und wie schwer ist das schwerste Einzelteil? Kann man das Ganze in einem Kleinwagen transportieren?

Sebastian Lehner hat gesagt…

Hallo!
Also wenn du dir einen Volltubus anschaffst, dann kannst du den gesamten Aufbau in zwei Teile zerlegen, das eigentliche Teleskop und die Rocker-Box, in der das ganze drehbar gelagert wird.
Beide Teile werden sowas um die 10 Kilo wiegen, das hört sich vielleicht schwer an, ist aber noch ganz transportabel.
Der Transport im Kleinwagen dürfte alles in allem kein Problem sein, mein Auto ist jetzt auch nicht so groß (Opel Astra) und ich kann einen Achtzöller da bequem quer auf den Rücksitz legen, die Rockerbox in den Kofferraum, und gut ist es.
Es gibt von Meade auch Achtzöller in Gitterrohrbauweise, das wäre auch eine Option, das kann man dann sogar im kleinsten Auto transportieren.
Solltest du im Raum München wohnen, dann kannst du ja mal bei Wolfi Ransburg vom Teleskop-Service vorbeischauen und dir die Teile mal ansehen.
Mein nächstes Teleskop wird zwar ein 16" in Gitterrohrbauweise sein (von Geoptix aus Italien), ich würde meinen Achtzöller aber trotzdem nicht mehr hergeben.

Viele Grüße,
Sebastian

Sebastian Lehner hat gesagt…

Was ich noch hinzufügen wollte: ein gewisses Gewicht bringt größere Öffnung einfach mit sich, es gibt auch Teleskope in Leichtbauweise, bei denen ein 8" Reflektor nur 5kg wiegt, die wollen dann aber wieder auf eine ordneltiche Montierung gepackt werden, welche dann mit Stativ auch wieder Gewicht verursacht. Beim Dobson selbst ist diese Leichtbauweise nicht ganz so möglich, da ja die Spiegelzelle ein gewisses Eigengewicht braucht, um ein Gegengewicht zu den Okularen vorne am Teleskop zu bilden, so daß es auf der Rocker-Box im Gleichgewicht ist. Aber wie gesagt, was man bei der Leichtbauweise spart, verliert man dann oft an der Montierung wieder.
Klar könntest du auch eine kleiner Öffnung nehmen, z.B. 6", damit kannst du auch tolle Beobachtungen machen, allerdings stellt sich Erfahrungsgemäß schnell der Wunsch nach mehr Öffnung ein, und 8" sind meiner Meinung nach einfach ideal für den Deep Sky Einstieg geeignet: in Galaxien werden bereits Einzelheiten sichtbar, Kugelsternhaufen bis ins Zentrum aufgelöst, planetarische Nebel zeigen Details, Galaktische Nebel werden sichtbar - und das bei guter Transportabilität und sinnvollen Kosten.

Sebastian

Plejadin hat gesagt…

Hallo Sebastian,

10 kg kann ich wohl noch ohne größere Probleme tragen. Viel schwerer darf es dann aber nicht mehr werden. Auch das Verstauen in meinem Golf Kombi (die lange Variante) dürfte dann wohl kein Problem sein. Ich werde mir diese 8" Newtons demnächst mal im Laden ansehen. Ach ja, ich komme aus Norddeutschland, deshalb wird es mit dem Vorbeischauen in München eher schierig. Allerdings hatte ich den Teleskop-Service schon im Internet gefunden. Mich interessierte da ganz besonders deren 20x80 Fernglas. Dazu gibt es mehrere recht positive Berichte und Tests im Internet. Leider braucht man bei 20x wohl auch schon eine Montierung oder zumindest ein Fotostativ.

Plejadin hat gesagt…

Ach ja, dann ist mir ja jetzt erst aufgefallen, dass man auf das Profil eines Benutzers kommt, wenn man den Namen über den Kommentaren anklickt. Tolle Zeichnungen, die du da in deinem Blog veröffentlicht hast! Ich habe deine Blogs natürlich sofort in meine provisorische Blogroll eingetragen.
(Link zur Blogroll siehe oben rechts auf diesen Seiten unter "Goto")

Sebastian Lehner hat gesagt…

Hallo Martina!
Also in einem Golf Kombi ist das gar kein Problem, da bekommst auch noch größere Teile ordentlich verstaut.
Wie es mit den Händlern in Norddeutschland aussieht, das weiß ich als bayerisches "Urviech" natürlich nicht, aber da wirst du dich schon durchfragen.
Ansonsten liefert der Wolfi auch gerne und zuverlässig überall hin.
Ein 20x80 Fernglas ist schon ein richtiger Brummer, freihändig geht da nichts mehr. Wobei meiner Meinung nach ein Photostativ auch Mist ist, da fällt dir bei Zenitbeobachtung der Kopf ab. Hier wäre eine Binomount das Optimum (Trapezmontierung oder ähnliches), die aber auch gleich mal wieder 300 Euro verschlingt.
Ich finde aber, daß der Vorteil eines Fernglases eigentlich die Mobilität und schnelle Beobachtungsmöglicheit ist, weswegen bei mir beim 10x50 Schluß ist, alles andere wird dann mit dem Teleskop erledigt. Aber da gehen die Meinungen weit auseinander - wie immer.
Am besten du schaust dir die Sachen wirklich selber mal im Laden an, man unterschätzt ganz gerne mal die Dimensionen.
Bei mir steht ja jetzt ein 16" Giterrohrdobson ins Haus. Als ich den zum ersten mal gesehen habe, hab ich mir gedacht: "Scheiße, etzt übertreibst langsam!", man fällt immer wieder drauf rein.
Danke für den Eintrag in deiner Linkliste, ich zeichne recht gerne, digitalisiere allerdings erst seit kurzem die Bilder für's Netz, deswegen sind noch so wenige online.
Laß hören, wie es bei dir vorangeht.

Viele Grüße,
Sebastian